Meine Begegnungen mit dem Tod/Sterben


2017 hab ich nicht "nur", gemeinsam mit meinem Bruder, unserer Mama in ihren letzten Stunden die Hand halten dürfen, sondern auch zwei Monate später unserer Oma und drei Monate später, meiner Patentante. Geballtes Abschied nehmen von meinen drei so wichtigen Ahnenfrauen. Sie haben mich seit meiner Geburt begleitet. Und auch ich habe sie die letzten Jahre intensiv begleitet und betreut.

Ich bin so dankbar für die Zeit, für all das, was sie mir lehrten, deren Begleitung, Liebe und Vertrauen. Noch heute gibt es Momente, in denen es schmerzt. Zu wissen, ihre Stimme nie wieder hören zu dürfen, nie wieder in deren Augen blicken oder die Hand berühren zu können ist wie ein Stich in´s Herz. Und doch war diese Erfahrung wohl eine Weggabelung in meinem Leben.

Die letzten Lebenswochen hat unsere Mama im Hospiz verbracht. Dort war ich fast täglich zu Besuch und hatte unzählige Gespräche über das Sterben. Der Tod war so präsent. Mein Blick weitete sich. Auch die Monate zuvor mit wochenlangerm Aufenthalt auf der Intensivstation, Krankenhäuser und dazwischen die Zeiten zu Hause, waren so prägend. 

Nach diesem Jahr voller Kampf, Hoffnung, auf und ab, folgte ein heftiges und intensives Trauerjahr. Ich gab mich diesem voll und ganz hin. Meine Familie hatte großes Verständis und gab mir den Raum, den ich brauchte. Zusätzliche Unterstützung fand ich in einer Trauergruppe.

Die Abschiedsfeier von unserer Mama haben wir ganz einzigartig gestaltet. Vom Sargbau, über die Worte bis hin zur Feier selbst. Es war so persönlich und besonders, wie Mama selbst. Dass das mal mein Weg werden soll, ahnte ich damals noch nicht.

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Heute wirke ich als Alltagsbegleiterin in einer Wohngemeinschaft für Senioren mit. Auch dort bin ich stets mit der letzten Lebensphase konfrontiert und durfte schon weitere Menschen in die andere Welt begleiten.

Das, was mich das Leben bisher lehrte, möchte ich in Form einer Ausbildung zur Sterbeamme vertiefen. Im Mai 2021 beginne ich diese Fortbildung. Trauerreden und Abschiedsfeiern zu gestalten, ist ein Teil dieser "Arbeit".

Aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen kann ich mich sehr gut in diese so zarte und schmerzvolle Zeit einfühlen. Ich weiß, wie schwer es ist, einen geliebten Menschen loslassen zu sollen. Ich empfinde großes Mitgefühl und Respekt gegenüber Betroffenen.

Es ist mir ein Herzensanliegen, Menschen in dieser so zarten und schmerzvollen Zeit, Trost und Lauschen zu schenken. Für ihre Situation, ihr Leben, ihr "Sein".

So einzigartig ein jeder von uns ist, so individuell soll auch der Abschied sein. Es ist mir eine Ehre, Menschen auf ihren letzten Lebensschritten, und darüber hinaus, begleiten zu dürfen.